#7 Alles eine Frage des Geschmacks: 3 Gründe, weshalb ich das mit dem Kochen lieber bleiben lassen sollte

Es soll ja Menschen geben, die beim Kochen komplett aufgehen (manchmal macht sich das auch am Körperbau bemerkbar) und die Zeit um sich herum vergessen. Alles was ICH beim Kochen vergesse, ist mein Anstand und die Geduld.
Denn wenn ich Hunger habe, ist alles zu spät – Du kannst Dir das so vorstellen, wie die Verwandlung bei der Snicker-Werbung… nur noch schlimmer!

Jedenfalls habe ich schon sehr früh gemerkt, dass ich das mit dem Kochen lieber bleiben lassen sollte. Der beste Beweis dafür ist meine Schwester, die deshalb z.B. keinen Milchreis mehr essen kann – sorry, Em!

Grund #1: Ungenaues und schnelles Lesen

Meine Mama hat schon von Anfang an Wert darauf gelegt, dass jeder aus unserer Familie später einmal selbst sein Mahl zubereiten kann. Gut, da hat sie ja auch nicht mit so einem (koch)-talentfreien Kind wie mir gerechnet.

Während meiner Schulzeit gab es Tage, an denen beide Eltern arbeiten waren und ich als große Schwester in die Koch-Verantwortung gezogen wurde. Sehr zum Leidwesen meiner kleinen Schwester!
Denn die ist 3 Jahre jünger und musste deshalb einfach Essen, was auf den Tisch kam. Und das war zu 99,9% Milchreis.
Nicht etwa, weil ich es liebe. Das tue ich! Doch es war eher so, dass es am schnellsten ging und ich mir da bei der Zubereitung sicher war – dachte ich zumindest.

Doch irgendwie muss den Dr. Oetker-Leuten einen Fehler bei der Zubereitungs-Beschreibung auf der Packung passiert sein! Denn der Reis wollte sich verdammt noch mal nicht aufweichen lassen und so schluckten wir Milch und harte Reiskörner mit ein bisschen Zimt obendrauf hinunter. Der Hunger war damals einfach zu groß.
Gut, den Blick meiner Schwester dabei werde ich wohl nie vergessen: „Mimi, ich glaube, Du machst da was falsch.“, gefährliches Terrain, Em!
Mit zusammen gepressten Augen sah ich sie an: „Ich habe alles so gemacht, wie es Schritt für Schritt auf der Packung stand.“, und damit war die Diskussion beendet – und das Bauchweh vorprogrammiert.

Abends kam der klumpige Milchreis natürlich noch mal als Thema auf den Tisch. Mamas nachdenkliche Falte mitten auf der Stirn machte deutlich, dass sie mir nicht glaubte, dass ich nach Anleitung gekocht hatte.
Naja gut, vielleicht bin ich da doch ein wenig von der beschriebenen Zubereitungszeit abgewichen.
Denn anstatt zu warten, bis die Milch nach oben stieg und somit bereit für die Körner war, wurde der Packungsinhalt direkt nach 2 Minuten in die erst lauwarme Milch geschüttet- was sollte da schon schief gehen? Einiges, so im Nachhinein betrachtet.

Grund #2: Mangelnde Geduld

Eine meiner Lieblingsstories (und die von meinem Bruder) ist die Lachs-Geschichte. Da hat’s so richtig gelöppt, sag ich Dir!

Ich war vielleicht 14 Jahre alt und schon von meiner Milchreis-Geschichte vorgeprägt. Das Motto bei uns zuhause ist übrigens: „Übung ist wichtiger als Talent“ – okay, alles klar, Freunde. Dann gebt mir Bratpfanne und einen Lachs. Ich werde euch beweisen, dass dieser Spruch nicht auf mich zutrifft.

Es sollte einen schön angebratenen Lachs mit Reis für die ganze Familie zu Mittag geben. Und niemand geringeres als die Meister-Köchin höchst persönlich (also ich!) durfte dieses Festmahl zubereiten.
Kurz zum Hintergrund, damit Du meine Situation auch gut nachvollziehen kannst: Ich hatte richtig Hunger in diesem Moment. Und mir ging alles mal wieder nicht schnell genug. Herdplatte hatte ich bereits angemacht und die Pfanne darauf gestellt.

Also Ölflasche auf und zack… gefühlte 1,5 Liter landen in der Pfanne. Scheiße!
Okay, jetzt Ruhe bewahren und das überflüssige Öl aus der Pfanne in eine Tasse umfüllen. Erkenntnis des Tages: Fülle niemals Öl über einer heißen Herdplatte um, denn es kann passieren – und das ist gar nicht so unwahrscheinlich – dass etwas von dem Öl daneben tropft und dann BÄM.

„ES BRENNT!!!!“, die Flammen schossen direkt aus dem Herd empor und ich war wie gelähmt. Nur das panische Schreien meines damaligen 7-jährigen Bruders, der wie gerufen gerade in die Küche kam, brachte mich wieder zurück in das Geschehen. Was mach ich denn jetzt?
Erst mal in den Gang rennen, da kriegt mich das Feuer so schnell nicht!

Sagen wir’s mal so: Ich war noch nie dermaßen erleichtert, meine Mama sofort in das Geschehen eingreifen zu sehen. Jetzt hießt es: Herdplatte ausschalten und traumarisiertes Kleinkind beruhigen. What a day!

Ab diesem Zeitpunkt war das Thema Kochen für mich erledigt – Lachs habe ich danach auch erst mal nicht mehr gegessen.

Grund #3: Zu viel Kreativität im Blut

„Sie ist schweins-kreativ“ würde mich meine Mama bezeichnen, wenn Du sie nach meinen Kochkünsten fragen würdest. Was übrigens keiner tut
Denn nach einem Rezept kochen kommt für mich selten in Frage. Wär ja auch zu langweilig! (und dauert meist zu lang – ihr wisst ja, die Ungeduld und so.)

Doch beim Koch-Freestylen stoße ich irgendwann an meine Grenzen. Zumindest an meine Verdauungsgrenzen und mein Bauch macht mir deutlich, dass diese Konstellation wohl das letzte Mal ausprobiert wurde. Shit happens…

In Beziehung gilt deshalb für mich: Liebe geht durch den Magen … aber erst nachdem das Essen auf dem Tisch steht. Denn vorher beweist sich, ob eine Beziehung meinen (Koch-) Strapazen gewachsen ist.

Und an alle, die mich heute noch für die hohe Kunst des Kochens begeistern wollen (Grüße gehen besonders raus an meinen Großonkel): die bereits geschenkten 256 Kochbücher helfen mir nicht weiter! Ihr könnt also aufhören, mich damit bekehren zu wollen.

Doch es geht immer noch schlimmer!

Meine Kocherlebnisse kann eigentlich nur eine toppen: Die ehemalige Schulfreundin meiner Schwester. Die war bei uns zum Kuchen backen und als ihr Em das Ei zum Aufschlagen in die Hand gedrückt hat, bildeten sich tausend Fragezeichen auf ihrer Stirn. „Wie mach ich das?“
Sie ist übrigens heute Influencerin – ob das Kocherlebnis von damals etwas damit zu tun hat?!

Und auf einmal fühle ich mich dann doch nicht mehr ganz so unfähig.
Denn Rühreier kann ich! Bevorzugt mit nur Eigelb… aber das ist eine andere Geschichte 😉