#6 Ohhm und ganz viel Kaffee: Nach einer wahren (Alltags-)Begebenheit

Liebes Tagebuch,

hmm. Ich glaube den letzten Eintrag in ein physisches Tagebuch habe ich mit 14 gemacht. Und ich hoffe für mich, dass niemand diesen Schlüssel dazu in die Hände bekommt.
Denn die exklusiven Filmrecht zu diesen Stories möchte ich einmal verkaufen – hab gehört, dass Drama und das Auf und Ab von Gute-Zeiten-schlechten-Zeiten gefeiert wird…

Naja.
Über was ich eigentlich mit Dir sprechen möchte ist Folgendes: ich brauche Veränderung!
Mein Leben ähnelt gerade dem bekannten Film: „Und täglich grüßt das Murmeltier.“
Und dabei habe ich komplett vergessen wie der Typ darin eigentlich aus seinem Dilemma entkommen ist – schlechtes Zeichen, oder?

Bestimmt fragst Du Dich jetzt, was ich für ein Problem habe. Schließlich gibt es viel Schlimmeres da draußen und das bisschen Quarantäne… Du hast Recht! Und genau aus diesem Grund habe ich mit dem Meditieren angefangen! Oder zumindest würde ich es so nennen.

Das All-round Talent: Meditation

Solltest Du auch einmal ausprobieren!

Dieses stille Sitzen und bewusst auf die Atmung konzentrieren hat echt was. Zum Beispiel fällt mir dann immer direkt wieder ein, was ich eigentlich gestern Abend noch für heute machen wollte. Oder ich merke, dass mein Bauch jetzt sein Frühstück dringend bräuchte.
Am besten ist es aber, wenn auf einmal meine kleine Fußzehe kribbelt oder mein Po einschläft – ich wusste nicht mal, dass das geht! Again what learned – und das in vollkommener Stille!

Am liebsten mache ich ja diese geführten Meditationen. Da gibt es immer so ein schönes langes Ohhhhm am Anfang. Neulich habe ich daraus einen Wettstreit mit meiner Mama gemacht, wer länger das Ohhhhm aushält. Learning: Niemals gegen eine Sängerin antreten – da zieht singt man immer das kürzere Ohhhhm.
Das laute Schnaufen eines wildgewordenen Ochsen neben uns (aka Wim Hoff-Atmung meines Papas) hat uns dann zurück ins Hier & Jetzt gebracht. Wie praktisch!

Kaffee schlürfen wie in guten alten (Büro-) Zeiten

Und noch was ist wirklich klasse: Der Kaffeeautomat zuhause!
Eigentlich war ich auf strengem Entzug, weil ich ja meine eigene Droge bin – doch irgendwie haben es mir diese schwarzen kleinen Bohnen (oder in meinem Fall eher diese umweltverschmutzenden Plastikpads*) angetan.

Warum eigentlich?

  • 7:10 Uhr Espresso-Time – damit ich auf jeden Fall wach und aufnahmebereit für das tiefe Eintauchen meiner Selbst in der Meditation bin
  • 10:15 Uhr *Cremiger Caramel-Cappuchino – Der Magen knurrt, aber Mittagessen ist noch zu weit weg und außerdem habe ich mir nach 1 Stunde Arbeit schon mal so einen leckeren Kaffee verdient, nicht wahr?
  • 13:20 Uhr Nachtisch-Espresso – Gruppenzwang und so. Vor allem wenn dann von Papa kommt „Und was essen wir da Feines dazu?“
  • 16:30 Uhr Soll-ich-oder-soll-ich-nicht Kaffee (optional) Hängt von meinem Gemütszustand ab – und der ist alles andere als vorhersehbar.

Und weißt Du was das Schlimmste daran ist? Die Selbstgespräche dabei. Denn normalerweise ist das Kaffee trinken für mich wirklich eine gesellschaftliche Sache. Vor allem im Büro treffe ich mich da gern mit meinen Kollegen und quatsche über Gott und den Rest. Doch hier zuhause im Home Office – nix.
Da helfe ich mir halt selbst und date mich über meine neusten witzigsten Geschichten ab. Aber irgendwann kann ich das mich auch nicht mehr hören.

Kollegen treffen im digitalen Zeitalter – kein Problem!

Meine Highlights sind tatsächlich unsere täglichen Team Zoom-Meetings (Grüße gehen raus an die lieben Kollegen!).
Da kommt so richtig Freude auf, wenn jeder seine To-Do’s runter rattert. Das ist übrigens die einzige Zeit am Tag, in der ich mich selbst sehe – Spiegel meide ich. Und jedes Mal denke ich mir: Huch, ne neue Kollegin dabei? Ach ne warte mal, der schiefe Dutt und der alte Pullover gehören ja zu mir. Zum Glück ist der nicht aus meiner 1€-Vergangenheit.

Eigentlich hätte ich Vorher-Nachher Bilder während unseren Meetings machen müssen. Denn so langsam sieht man es, dass die berühmte“Schlunzi-Zeit“ einsetzt. Das bedeutet: bei den männlichen Kollegen kommen die ersten Bartstoppel raus und bei den Kolleginnen wird der Ansatz sichtbar und das Make-up im Schrank stehen gelassen. I feel you!
Ich glaube, nachdem wir nun eh schon alle unsere äußeren (!) Hüllen und Illusionen fallen gelassen haben, werden wir auch im Büro später nicht mehr sonderlich viel Wert auf das perfekte, makellose Auftreten legen – oder, Kollegen?

Opas Gartenspielchen deluxe

Achja und etwas schätze ich ganz besonders am Home-Office: Die Zurückhaltung meiner Großeltern. Klasse, wie sich Opa so elegant und leise an meinem Kellerfenster vorbei schlängelt und kaum ein Mucks von sich gibt: „Gäj emol hejä“ (Übersetzung des heimischen Dialektes: „Komm einmal her“)
Schon hat er wild seine Arme in die Luft gerissen. Super, Opi. Ist ja nicht so, als wäre ich gerade in einem Call und bekomme wichtige Infos? Also schnell gemutet und aufgesprungen.

„Was gibt’s?“
„Hullemol doin Brurä“ (Erneute Übersetzung: „Ruf mal Deinen Bruder!“)

Als der dann gerufen war und ich wieder vor meinem PC saß, als wäre nichts gewesen (O-Ton Kollege: „Was war denn das gerade?“) kommt mein Bruder und reißt ebenfalls seine Arme vor dem Fenster panisch nach oben. Alter!
Meine Reflexe waren ja bereits gut trainiert, also schnell gemutet und aufgesprungen. Noch bevor ich das Fenster erreicht hatte, war der Kleine weg. DANKE!
Tief durchatmen – wie war das noch mal mit dem Ohhmm?

Alles in allem geht es mir gut, liebes Tagebuch!
Und ich habe das Gefühl, dass ich durch die Quarantäne noch mehr spannende Erlebnisse zuhause sammeln darf, als bisher. Und ich dachte schon, dass das nicht möglich ist!

Danke fürs Zuhören, Tagebuch oder muss ich sagen fürs Mitlesen?!
Es fühlt sich dadurch nicht mehr ganz wie ein Monolog an, you know what I mean?

Vielleicht hören wir uns morgen wieder. Je nachdem ob sich was verändert, oder ob ich immer noch in meinem ganz persönlichen „und-täglich-grüßt-das-Murmeltier“-Film gefangen bin.

Deine Mimschke

P. S. Meinst Du, dass ich meinen Kaffee Konsum reduzieren sollte?